Es ist vollbracht, die Revanche geglückt: Mit der wohl besten Saisonleistung und einer in Sachen Disziplin und Kampfgeist vorbildlichen Vorstellung hat der SC Freimann im ersten Heimspiel der Rückrunde gegen den ambitionierten VfR aus Garching einen zu keinem Zeitpunkt gefährdeten Sieg eingefahren, der gemessen am Spielverlauf noch deutlich höher hätte ausfallen können.
Von Michael Thumm und Andreas Püfke
Wer vor dem 10. Spieltag darauf gesetzt hätte, dass die SCF-Herren eine realistische Chance bekommen würden, ihre Serie von fünf Siegen in Folge fortzusetzen, hätte wohl nicht viel mehr geerntet als ein mildes Lächeln. Schließlich bat am vergangenen Samstag niemand geringerer als der ungeschlagene Tabellenführer zum Tanz. Man könnte sich also damit begnügen festzuhalten, dass sich die gefühlten 500 Jahre Truderinger Handballerfahrung am Ende nicht unverdient durchgesetzt haben - aber das würde dem Spiel nicht gerecht. Denn in der bis in die Schlusssekunden spannenden Partie lieferten sich die beiden Mannschaften einen Kampf auf Augenhöhe, bei dem es zwischenzeitlich für die Gäste süßlich nach Überraschung duftete - und für den TSV streng danach roch.
Mit einem über weite Strecken holprigen Arbeitssieg bei der HSG West beschlossen die SCF-Herren am Wochenende die Hinrunde der Saison und zugleich das Pflichtspieljahr 2011.
In der Theorie sah vor dem Spiel alles ganz übersichtlich aus: Die Geschwindigkeitsvorteile wollte man ausspielen und die höhere individuelle Gefahr aus dem Rückraum. Anbrennen sollte jedenfalls nichts. Und für rund 10 Minuten sah auch alles danach aus, als könne der Plan auf der Platte umgesetzt werden. Da stand es 1:7, und die Gastgeber sahen sich genötigt, ihre Auszeit zu nehmen.
Es ist vollbracht. Nach einer gefühlten Ewigkeit von vier sieglosen Spielen haben die SCF-Herren ihren ersten doppelten Punktgewinn eingefahren. In einer über weite Strecken von beiden Mannschaften holprig geführten Partie setzten sich die Freimanner letztlich hochverdient mit 23:20 durch.
Da schau her, der SCF kann doch noch punkten! In einer buchstäblich bis zur letzten Sekunde spannenden Partie trennten sich die Freimanner Herren vom bis dato verlustpunktfreien Tabellenzweiten aus dem Süden unentschieden 22:22. Und obwohl der Ausgleich für die Gäste erst nach Ablauf der Spielzeit durch einen strittigen Siebenmeter fiel, war das vorherrschende Gefühl auf Seiten der Gastgeber letztlich Erleichterung - weniger über das Ergebnis selbst als über die Art und Weise, wie es nach dem zuvor völlig vergeigten Saisonstart mit drei Niederlagen in Folge zustande gekommen war.
Die erste Runde des Bezirkspokals war für die SCF-Herren zugleich die letzte. Durch zahlreiche Ausfälle, Absagen und Verletzungen bis an die Grenze des regeltechnisch Erlaubten geschwächt, musste man sich den Sportfreunden aus Föching klarer geschlagen geben als es das Endergebnis vermuten lässt.
Kurz vor Ablauf der Transferfrist hat der SC Freimann zur Untermauerung seiner sportlichen Ziele weitere personelle Verstärkungen vorgenommen und setzt fürderhin verstärkt auf skandinavische Spielfreude: Mit Alex Bjerregaard (Tor), Nicolai Reffstrup Pedersen (RL) und Jan Klitsgaard (RA) stoßen mit sofortiger Wirkung gleich drei Spieler zum Verein, die das Handballspiel im Land der Wikinger, der windschiefen Bäume und der roten Würstchen erlernt haben. Über die Höhe der Ablösesummen und Gehälter wurde Stillschweigen vereinbart.
Als kleine Auflockerung im Trainings- und Testspielalltag der Saisonvorbereitung stand für die SCF-Herren am Sonntag ein echtes Schmankerl auf dem Programm. Statt schweißtreibender Konditionsarbeit mit Bodenkontakt ging es diesmal vergleichsweise hoch hinaus. Im Kletterwald München sollte die Schwerkraft zumindest vorübergehend überwunden - und dabei das Miteinander gestärkt werden.
Im ersten Testspiel nach einer langen Sommerpause, nur unterbrochen durch zwei sportlich weitgehend wertfreie Daddelturniere, empfingen die SC-Herren am Mittwochabend die Zweite des TSV Ismaning - wir bedanken uns! - zum ersten von zwei freundschaftlichen Vergleichen.
Im Februar wurde bei einem Sportfreund der HSG München West akute Leukämie diagnostiziert. Nach fünf Monaten Chemotherapie kam für ihn jetzt ein herber Rückschlag: Erneut wurden über 60 Prozent Leukämiezellen gefunden. Seine einzige Chance auf Heilung besteht nun in einer Blutstammzellentransplantation. Dazu muss ein geeigneter Spender gefunden werden.